Anno 930

Die erste schriftliche Erwähnung von Laasow im Jahre 930 ???

Diese Jahreszahl ist schon öfter in diversen Publikationen aufgetaucht, in denen über unser Dorf berichtet wird. In Umlauf gebracht hat sie der Pfarrer Max Lindenberg in seiner "Chronik der Parochie Laasow, Kreis Calau" indem er schreibt:
"Das Laasow schon um 930 n. Chr. G. ein von Wenden bewohnter Ort war, meldet eine Chronik der Stadt und Herrschaft Cottbus." Auffällig ist, das er weder das entsprechende Zitat aus dieser Cottbuser Chronik bringt, noch gibt er an, welche der Chroniken gemeint ist. Und das aus gutem Grund: Es gibt keine Erwähnung von Laasow im Jahre 930 in einer Cottbuser Chronik !

Um 930 wurde die Burg Meißen, später (968) das Bistum Meißen zur "Bekehrung" und Unterwerfung der slawischen Stämme gegründet. Einige Jahre danach entstanden aus den größeren slawischen Siedlungen unserer Gegend deutsche Städte und aus den meisten Dörfern entwickelten sich Rittergüter. Im Jahre 1445 fiel die Herrschaft Cottbus an Brandenburg. Erst in dieser Zeit gelangte Laasow zur Herrschaft Cottbus und gehörte dann bis zum Jahre 1815 zum Kreis Cottbus. In den älteren Cottbuser Chroniken sind in Bezug auf das Jahr 930 nur über Cottbus selbst Angaben enthalten, nicht aber über umliegende Dörfer.
Die frühen Cottbuser Chronisten David Heland "Die Cottbusische Feuerglocke", Wittenberg, 1671
Johann Friedrich Beuch "Geschichte und Beschreibung der Stadt Cottbus bis 1740" und Christian Carl Gulde "Gesammelte Nachrichten zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Cottbus", Görlitz, 1787 sind alle auf den Fälscher Abraham Hosemann hereingefallen. David Heland schreibt u.a.: "Kaiser Heinrich der Finkler hat allhier sein Lager gehabt und wider die Ungarn gesieget; zum Gedächtnis hat er angefangen die Stadt zu bauen Anno Christi 930, und den Bürgern trefliche Begnadigungen bestätiget." Im Jahre 1830 wurde in Cottbus auf Grund der gefälschten Urkunden eine 900 Jahr-Feier veranstaltet.

In der "Geschichte der Stadt Cottbus" (1994), heißt es dazu auf Seite 90:
"Erst viel später wurde bekannt, daß der Verfasser der Chronik, die die Gründung der Stadt für das Jahr 930 festschrieb, ein Betrüger war. Ein gewisser Abraham Hosemann hatte im 16. Jahrhundert, dem großen Bedarf entsprechend, für eine ganze Reihe von Städten der Niederlausitz und in Schlesien solche "Chroniken" geschrieben. Sie waren nach einem einheitlichen Muster verfaßt, und für die einzelnen Auftraggeber brauchten nur noch entsprechende Daten eingesetzt zu werden. Die Tatsache, daß besagter Hosemann Hofhistoriograph Kaiser Rudolfs II. war, machte auch die Cottbuser Chronik schnell zu einer "wissenschaftlichen Arbeit" für die Verantwortlichen."

Max Lindenberg berichtigt seine eigene Aussage ein paar Seiten weiter eigentlich selbst, indem er schreibt: "Die wenigen älteren Chroniken der Stadt Cottbus übermitteln uns die Sage, daß bereits im Jahre 930, oder kurz vorher, siegreiche Truppen Heinrichs I. in der Cottbuser Gegend ein Lager aufschlugen."
Weiter schreibt er: "Erst 1156 findet sich die erste historisch beglaubigte Nachricht, aus der hervorgeht, daß damals auf der Burg zu Cottbus markgräfliche Beamte als Verwalter derselben saßen."