Das Schloß


Besucher unserer Region werden es sicher als stark übertrieben empfinden, aber die Bezeichnung `Schloß` ist für die Herrenhäuser in der Niederlausitz schon seit alter Zeit gebräuchlich.

Vielleicht ist es schon etwas in Vergessenheit geraten, dass Neuchâtel (Schweiz) von Anfang des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu Preußen gehörte.
Als der König Friedrich Wilhelm IV mit seiner Ehefrau 1842 dem preußischen Neuchâtel einen Besuch abstattete, wurde dieser glanzvoll gefeiert. Der groß Empfang fand im Schloß der Familie de Pourtalès statt.
Im gleichen Jahr verkaufte Graf Heinrich zu Lynar auf Ogrosen einen Teil seiner Güter, darunter auch Laasow, hoher Schulden wegen an den Grafen Ludwig von Pourtalès, Herr auf Lalance, Präsident des Staatsrats von Neuchâtel/Schweiz und Oberst Inspektor der Artillerie. Am 10. Mai 1814 ist er in den preußischen Grafenstand erhoben worden.
1848 erbte die Güter dessen Sohn Graf Ludwig August von Pourtalès, Herr auf Lalance, königlich preußischer außerordentlicher Staatsrat. Er verkaufte sie bis auf Ogrosen, Laasow und Chransdorf und übergab diese noch zu Lebzeiten seinem Sohn Graf Jaques Alfred.
Jaques Alfred hatte anscheinend schon mindestens seit 1848 seinen Wohnsitz in Ogrosen. Sein Vater und Großvater lebten weiterhin in der alten Heimat Neuchâtel. Im Jahre 1850 heiratete er Anna von Paschwitz. Im Dezember 1851 nach der Geburt einer Tochter starb Anna von Paschwitz in Ogrosen im Alter von 17 Jahren. Auc

Mit seiner 2. Ehefrau, Sophie von Thielau zog er 1856 nach Laasow. Im selben Jahr hatte Graf Jaques Alfred von Pourtalès ein neues Herrenhaus im Schweizer Villenstil errichten lassen. Er ist ebenso der Schöpfer der nördlichen (Schäferheide) und südlichen Parkanlage.



Lithographie nach dem Ansichtenwerk von Alexander Duncker 1875/77



Ob an gleicher Stelle schon einmal ein Herrenhaus stand ist nicht sicher zu belegen.
Der Begleittext zu dem historischen Stich von Duncker spricht zwar von einem Schloß als Vorgängerbau und auch auf der Separationskarte von 1823 ist an gleicher Stelle ein Gebäude abgebildet.



Ausschnitt aus der Flurkarte von 1823



Es ist aber unklar, ob es sich dabei wirklich um ein Herrenhaus oder nur ein Nebengebäude des Gutes handelt.
Sollte es doch ein Herrenhaus gewesen sein, dann kann dies nach aktuellem Erkenntnisstand nur von der Familie von Schmettau errichtet worden sein.

Nach dem Tode von Graf Jaques Alfred erbte 1889 dessen Sohn Graf Karl Alphons von Pourtalès, Leutnant der Garde-Landwehr-Kavallerie und Kammergerichtsrefendar, das Gut Laasow.


Graf Karl Alphons von Pourtalès
Graf Karl Alphons von Pourtalès



Am 28. März 1900 wurde Graf Alphons von Pourtalès einstimmig zum königlichen Landrat des Kreises Calau gewählt. Er übte sein Amt in den schwierigen Zeiten des 1. Weltkrieges bis zur Gründung der Republik aus.

In dieser Zeit wurden dem Schloß die ersten Anbauten zugefügt . Im Erdgeschoß des östlichen Teils befand sich das "Jagdzimmer". Hier hingen große Bilder mit Jagdszenen an den Wänden. Eine große Leidenschaft des Grafen war die Jagd.



Schloss um 1910


Graf Alphons adoptierte 1914 die drei Kinder seines Bruders Karl, der als Major im 5. Garde Regiment zu Fuß im 1. Weltkrieg gefallen war und dessen Frau Lina Gaertner bereits wenige Monate vorher verstarb. Seine eigene Ehe mit Katharina v. Loeper blieb kinderlos.



Schloss um 1925



Um 1920 wurde dem Schloß der große Anbau an der Westseite hinzugefügt. Hier wohnte der Adoptivsohn Ernst Ludwig Karl von Pourtalès mit seiner Frau Mary Olga Vera Freiherrin von Kleist, allerdings nur bis ca. 1926. Dann zogen beide nach Niedermois (Schlesien).

Graf Karl Alphons von Pourtalès (1861-1930) verpachtete das Rittergut Laasow samt Schloß 1929 an die
Ilse-Bergbau-Aktiengesellschaft und 1930 ging es in deren vollständigen Besitz über. Seiner Frau Katharina wurde ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt.



Gräfin Katharina von Pourtalès, geb.von Loeper



Sie starb 1940 in Laasow und wurde als letzte auf dem Erbgrab in der Schäferheide beigesetzt. (ohne Grabstein)

Nach 1945 ging das Herrenhaus in den Besitz der Gemeinde Laasow über und es wurden Wohnungen für Umsiedler eingerichtet. Außerdem war die Polytechnische Oberschule Laasow, später das Gemeindebüro und der Raum für die Arztsprechstunde im Gebäude untergebracht. Ein Raum, der sogenannte "Ahnensaal", wurde für Familienfeiern etc. vermietet.

Für die Erhaltung dieses großen Gebäudekomplexes wurde allerdings bis auf den heutigen Tag nur sehr wenig getan. Zu DDR-Zeiten waren dafür keine Mittel vorhanden. Es wurden nur die allernötigsten Reparaturen durchgeführt.

Die architektonischen Feinheiten des Gebäudes wie die wunderschönen Holzbalkone, Galerien und das Holzgesprenge über der Veranda sind mittlerweile fast vollkommen verschwunden.

Die Bergbaufolgeschäden ließ die LMBV 1996 beheben. Die kompletten Fundamente des Schlosses wurden für ca. 200000 DM erneuert.


Schloss 2007



Endlich ist es soweit...

Schloss und Parkanlage haben seit Frühjahr 2007 neue Besitzer gefunden.

Man kann ihnen nur alles Gute, Ausdauer und ein glückliches Händchen für die Restaurierung des historischen Schlossgebäudes wünschen!






Anmerkung:

Ein herzlicher Dank gilt Ruth und Heinrich de Pourtalès, die es mir ermöglichten Kopien von ihrem Laasower Familienalbum zu machen.




Einen Beitrag über den Grafen Alphons von Pourtalès und sein Wirken als Landrat finden Sie im "Calauer Heimatkalender", in den Ausgaben von 2010 und 2011.

Calauer Heimatkalender

Inhalt der Ausgabe 2011:
= Begegnungen und Erinnerungen - Meine gemeinsamen Jahre mit Heinz Jurisch
= Die Zinnitzer Hexe und August der Starke - Die "Zauberin Margarethe Burmeister aus dem    Dorfe Zinnig im Spreewald" und ihre Verwicklung in eine Intrige um die
   Thronfolge im Königreich Sachsen
= Vor über 150 Jahren wurden unsere Straßen gebaut - Die Entstehung unseres jetzigen    Straßennetzes
= Blick in die Postgeschichte von Calau - Teil 5 - Aus der Zeit der Reichspost zwischen 1871 und    1945
= Graf Alphons von Pourtalés - Teil 2 - Königlicher Landrat des Kreises Calau von 1900 bis zur    Gründung der Weimarer Republik
= Das Erbbegräbnis derer von Patow - Familiengeschichte erlebbar
= Calau und seine elektrischen Umspannwerke - Technikentwicklung vor Ort
= "Junkerland in Bauerhand" - Die Bodenreform 1945/46 in Calau
= Das Rathaus in Calau - Wiederaufbau von 1946 bis 1948
= Der Calauer Mädchenbrunnen - Wer kennt den Künstler - kennt seine Werke (Versuch einer    Hommage an den Bildhauer Ernst Sauer)
= Motorsportanlage Calau/Altnau - Die K-Wagen-Bahn